Berichte

Podiumsdiskussion zum Thema Inklusion
26.08.2013

Am Montag, 26. August 2013, fand in der Kirche auf der Billebrinkhöhe eine Podiumsdiskussion zum Thema Inklusion mit Vertretern der im Rat der Stadt Essen vertretenen Parteien statt. Die Veranstaltung ging auf eine Initiative des Integrationsmodells in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde und dem Behindertenreferat zurück.

Anwesend waren je eine Vertreterin der CDU und der Linken und je ein Vertreter der SPD und der Grünen. Die FDP entsandte keine/n Vertreter/in.

Eingangs gaben alle ein Statement zum Thema Inklusion ab. Es bestand ein Grundkonsens darin, dass alle Menschen gleichberechtigt ausgestattet sind mit den Grundrechten und der Menschenwürde unabhängig von Geschlecht, Alter und Behinderung.

Die Gesellschaft muss für eine gelingende Inklusion die Voraussetzungen schaffen, dem Teilhaberecht des Einzelnen entsprechend, -und nicht umgekehrt der Einzelne mit seinen unterschiedlichen Beeinträchtigungen muss sich anpassen! Der immer noch vorherrschende Maßstab einer „gesunden Gesellschaft“ muss durch die Praxis einer ganzheitlichen umfassenden Inklusion überwunden werden. Inklusion ist als Bereicherung der Gesellschaft zu verstehen. Dort wo Lebens- und Arbeitsgemeinschaften zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten praktiziert werden, können auch die “Gesunden” neue Erfahrungen machen durch Teilhabe an Einschränkungen, die im öffentlichen Leben beiden vielfältig zugemutet werden und durch Stärken, die Menschen mit Behinderungen zu deren Bewältigung entwickeln.

Echte Inklusion meint Teilhabe aller Menschen mit und ohne Behinderungen am politischen, kulturellen und religiösen Leben der Gesellschaft. Die Gesellschaft muss dazu in der Lage sein, jedem die eigenen Möglichkeiten zu bereiten, die er benötigt. So gesehen bedeutet Inklusion auch, eine gemeinsame gerechte Gesellschaft zu werden, ohne Ausgrenzungen und Vorurteile. Inklusion ist also ein Prozess.

Wie lassen sich diese Grundsätze in der Realität umsetzen?

Bund, Länder und Kommunen haben im Konsens aller Parteien konkrete Aktionspläne aufgestellt. In ihnen ist aufgelistet, was getan werden muss und soll und was bereits in Anfängen umgesetzt ist.

- für den pädagogischen Bereich: Noch bestehen Förderschulen für spezifische Lernbehinderungen. Sie werden vorerst erhalten, während zugleich das Recht auf Besuch der Regelschule für alle Kinder schrittweise umgesetzt wird. Es muss sich zeigen, ob inklusive Schulen künftig alle Förderschulen ablösen können. Im Bereich der Kindertagesstätten ist die Inklusion bereits weiter entwickelt als in den Schulen.

- für den Arbeitsbereich: Noch weniger als im Bildungsbereich ist Inklusion im Arbeitsleben verwirklicht. Es gibt noch keinen ausreichenden Minderleistungsausgleich für Arbeitsplätze für behinderte Menschen im allgemeinen Arbeitsmarkt. Darum sind nur wenige – leistungsstarke – Menschen mit Behinderung dort tätig. Alle anderen sind entweder arbeitslos oder in einer Werkstatt für Behinderte tätig. Sie erfahren auch keine fachliche Ausbildung. Nur in ganz seltenen Fällen gelingt der Übergang von der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Firmen können sich durch minimale Zahlungen von der Verpflichtung, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, frei kaufen. Menschen mit Behinderung empfinden diese Situation als beschämend und ausbeuterisch. Sie erhalten ihren Unterhalt nicht als Lohn, sondern als Sozialhilfe. Deshalb können sie z.B. kein Geld ansparen. Die Entwicklung eines gemeinsamen Arbeitslebens ist eine herausragende und dringende Aufgabe unserer Gesellschaft.

- für den Finanzbereich:

- Inklusion ist Menschenrecht und darf nicht unter Finanzvorbehalt gestellt werden.

- Es wird notwendig sein, dass die vorhandenen, aber begrenzten Mittel in Bund, Ländern und Gemeinden intelligent gelenkt werden. Eine Umschichtung ist nicht einfach, aber auf Zukunft hin nötig!

- Der Bund muss die Sozialaufgaben der Kommunen mit finanzieren. Arbeitsagenturen müssen Vermittlung zur Arbeit, Begleitung am Arbeitsplatz und Minderleistung finanzieren. Inklusion verhindernde Regelungen müssen aufgegeben werden.


Zusammenfassung:

1. Inklusion fängt in den Köpfen an. Sie ist ein langer pädagogischer Lernprozess hin zu einem neuen Bewusstsein, der Weg einer Generation.

2. Was heute an Aktionsplänen vorhanden ist und was modellhaft und anfänglich schon geschieht, sind noch Einzelbausteine, die zu einem neuen gesellschaftlichen Ganzen zusammenwachsen werden. Insofern ist Inklusion ein Hoffnungslicht und ein Freiheitsversprechen.



Philipp Neßling / Heinrich Schlottmann

(Fotos: Christine Müller-Hechfellner)

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